Review: Dark Knight


Dark Knight – Genial? – Sicher nicht.

Gleich vorweg: Nein. Ich werde mich nicht in die Reihe derjenigen einreihen, die den Film bis zum geht-nicht-mehr hochjubeln. Ich spreche keine Empfehlung aus, diesen Film im Kino zu sehen.

Das Gute

Das gute Dark Knight ist seine Perfektion. Alle Bilder und Szenen sind wunderbar perfekt eingefangen. Die Spannung stimmt, die Action Szenen sitzen, die Sprüche sitzen. Die Verfolgungsjagd mit den Trucks und Polizeiwagen und schliesslich dem Batpod ist ein Hammer. Vielleicht sogar der Hammer im Film.
Es gibt wunderbare Aufnahmen der Skyline von Chica… ich meine von Gotham City und noch bessere von Hongkong.
Die verwackelten Prügelszenen sind sicher Geschmackssache. Dieses gängige Stilmittel sorgt dafür, dass man nicht 100% perfekte Faustkämpfe und Choreographien liefern muss, denn dank dem verwackelten sieht es immer noch verdammt dicht und gefährlich aus, wenn mal ein wenig was nicht ganz stimmt.

Schön ist auch die Darstellung des Einflusses, den Batman auf die Stadt hat. Nachahmer versuchen in ähnlichen Kostümen das Recht in ihre Hand zu nehmen. Nicht zur Freude von Batman.

Wer Heath Ledger mag wird auch einen neuen Joker zu sehen bekommen, der ganz anders ist als die brillante Darstellung von Jack Nickolson. Für mich ist aber nicht der Joker der wirkliche Höhepunkt sondern Harvey Dent. Aaron Eckharts Darstellung des weissen Ritters, der schliesslich zu Fall gebracht wird – die Wandlung von Harvey Dent zu Two-Face ist wundervoll. Er wirkt auch am ehesten wie das, was ich in einer Comicverfilmung erwarte: Ein Superschurke. Nicht einfach ein entstellter, wahnsinniger Bösewicht.

Das Schlechte

Und diese Wandlung ist das einzig wundervolle an dem Film. Bei all seiner technischen Brillanz, kalten Perfektion, ist es doch leider ein Film ohne Herz. Zumindest für mich strahlte dieser Film nichts aus, er hat es nicht geschafft mich zu berühren.
Die kalten Bilder, distanzierten Menschen, selbst der Joker in seinem Wahnsinn – obwohl, oder eben weil es alles so realitätsnah ist – packen mich nicht, sie lassen Emotion und Bildhaftes vermissen. Trotz all seiner Größe ist der Film wenig plakativ und was viel schlimmer ist: wenig evokativ. Gotham City ist auf einmal nur noch eine weitere Stadt wie jede andere: Perfekt, kalt, distanziert.
Besonders schlimm wurde das, als auf einmal der Moralhammer ausgepackt wurde: „normale“ Menschen und Verbrecher auf verschiedenen Fährschiffen müssen über das Schicksal der jeweils anderen Seite entscheiden. Der Ausgang dieser Situation ist einfach nur aufgesetzt und unglaubwürdig.

Heath Ledger als Joker? Mit seiner Bemalung und Entstellung wirkt der neue Joker mehr wie ein fehlplazierter Wrestler, eine fette Version von Sting und nicht wie ein Superschurke. Klar ist der Joker ein Psychopath, komplett durchgeknallt und gefährlich, aber er ist eben mehr als das. Er ist ein Superschurke, so wie Batman ein Superheld ist. Und eben das kam überhaupt nicht herüber.
Ich meine mich auch zu erinnern, dass der Joker einen gewissen Stil hat und hierbei brauche ich nicht auf die alten Batman-Filme zurückzugreifen. Ein Blick in die Comics reicht da vollkommen aus. Dieser Joker, der von allen so hochgelobt wird, ist einfach nur dreckig. Er wird dem Bild des Jokers nicht gerecht.

Ich denke, das ist auch der Grund, warum der Film versagt, wo er brillieren sollte. Er wird der Vorlage nicht gerecht und transportiert sie nicht adäquat in ein anderes Medium. Wirkten Batman Forever und Batman und Robin verloren in dem neuen Medium, zu bunt und comichaft, zu wenig angepasst auf das Medium „Film“, ist Dark Knight zu real, zu wenig evokativ, zu kalt und zu wenig dunkel.
Gotham ist eben einfach nicht nur Chicago. Batman ist nicht nur ein Mann in einem dunklen Fledermauskostüm und der Joker ist nicht einfach nur ein wahnsinniger entstellter Irrer. Es sind Superhelden, Superschurken und eine fiktive, dunkle, unheimliche Stadt – einfach nur Kälte, Perfektion und Distanz kann dem nicht gerecht werden.

Die brutale Gewalt mit der es in Dark Knight zur Sache geht ist sicher auch nicht jedermanns Sache. Da wird geprügelt was das Zeug hält, hart und direkt. Irgendwie erinnert mich das an die Wandlung, die James Bond durchgemacht hat nur: Da passt es. Bei Batman? Nicht. Es fliesst zwar kein Tropfen Blut, aber das ist bei dem Film eine der wenigen Sachen, die ihn noch vom Comic The Punisher fernhält. Augen auf: Bei Dark Knight sterben nur deshalb die Leute nicht, weil sie oft unmenschlich viel einstecken können. Batman tötet nicht, aber seine jetzige Vorgehensweise nimmt den Tod billigend in Kauf. (Das ist vielleicht sogar nah an den aktuellen Comics. Mir gefällt es trotzdem nicht.)

Das Ergebnis

Wie ich schon zu Anfang schrieb: Keine Empfehlung von mir. Für eine Comicverfilmung ist dieses Machwerk viel zu trocken und distanziert. Einen besseren Joker habe ich schon 1989 gesehen. Eine bessere, wirklich düstere und unheimliche Version von Gotham auch. … Ach und wo ich das schreibe: Im aktuellen Film wirkt Batman tatsächlich einfach verloren und deplaziert. Nichts unterstreicht die Wirkung seines düsteren Kostüms. Das war in den ersten beiden Filmen viel besser. (Vielleicht war dieser Aspekt des „zusammenpassens“ sogar in den zweiten beiden Filmen wesentlich besser!)
Verschwendet euer Geld im Kino nicht für Dark Knight. Das ist es nicht wert. Seht euch den Film an, wenn er auf DVD kommt, oder sucht zumindest einen Kinotag zum angucken. Viel Spass mit eurer Entscheidung.

Eine Antwort zu “Review: Dark Knight

  1. Pingback: Zweiter Blick: Dark Knight « TPK - Total Party Kill

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