Skill Challenges – Alternative zu Combat Encounters


Ich sag es ja schon seit längerem. Wer will, dass Charaktere nicht einfach nur einen heftigen Kampffokus haben, der muss auch die Herausforderungen ausserhalb des Kampfes denen im Kampf gleichsetzen. Bisher machen das nur wenige Systeme – wenn überhaupt welche.

D&D 4 bringt hier die Skill Challenges ins Spiel.

Eine Skill Challenge ist eine Kombination von Skillwürfen um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Im Grunde genommen ist es ein Mechanismus zur Zusammenfassenden Bewertung und Systematisierung einer Reihe von Proben um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

Das tolle daran? Nun, eigentlich ist es kein großes Mumba-Wumba, was hier gemacht wird. Besonders aber ist, dass man so eine Skill Challenge direkt von den Erfahrungspunkten her einem Kampf gleichsetzt. Der Umfang und der Level ergibt dabei schnell die Anzahl an XP, die man erhalten würde. Im Grunde besitzen Skill Challenges damit genau so einen Level wie jedes Monster.

Der Level bestimmt, wie schwierig der Wurf ist, der Umfang beschreibt, wie viele Erfolge man braucht. Alles ist recht klar umrissen. So – und hier wird es besonders interessant – kann man in einem Kampf auch Teile der Monster durch eine kleinere Skill Challenge ersetzen. Zum Beispiel versuchen zwei Charaktere eine Gruppe von Monstern aufzuhalten während ein dritter eine Falle über eine Reihe von Skillproben entschärft – oder versucht einen Mechanismus in Gang zu setzen, der den Fluchtweg öffnet. Und seine Handlungen sind mindestens genau so wichtig, wie der eigentliche Kampf. Wunderbar. Sowas wünsche ich mir schon lange.

Bei einer Skill Challenge wird zwar festgelegt welche Skills betroffen sind – zum Beispiel könnte um einen Adeligen zu überzeugen eine Kombination von Bluff, Diplomacy und Geschichtswissen interessant sein – aber einer der Guidelines von D&D 4 für den Spielleiter ist auch möglichst nicht „nein“ zu sagen. Wenn ein Spieler eine andere Idee hat, wie er einen Skill gewinnbringend anbringen könnte, sollte man das zulassen. Auch Tipps für Sinnvolle Einschränkungen sind gegeben.

Man muss als SL nicht zwingend alle Details einer Skill Challenge kommunizieren. Wahrscheinlich ist es hilfreich die Spieler wissen zu lassen, dass sie sich gerade auf eine Skill Challenge einlassen, aber dann geht es ja nur noch darum, was die Charaktere anstellen um voranzukommen. Der genaue Fortschritt muss nicht anhand eines „Fortschrittbalkens“ oder ähnlichem kommuniziert werden, sondern so etwas kann sich in der Erzählung äussern. Auch muss man nicht klar sagen, welche Skills hilfreich sind. Hinweise auf die Vorgehensweise kann man ebenfalls in der Erzählung unterbringen.

Vor kurzem bin ich zum Beispiel über eine Situation gestolpert, in der ein erstmal ablehnend bis feindlicher NSC auf die Seite der SC gezogen werden kann. Ein Wilder hat Ärger mit den Bewohnern eines nahen Dorfes. Vielleicht hat es schon übergriffe gegeben. Wenn sich die SC nähern, greifen vielleicht einige seiner Helfer direkt an, aber er ist zwar wütend, aber noch nciht jenseits jeglicher Vernunft. Anfangs bedroht er die SC, stellt Forderungen und wirkt sehr aufgeregt. Wenn die SCs aber ihn jetzt anfangen ihn von dem Fehler seines Verhaltens zu überzeugen und dabei Erfolgreich sind, ändert sich sein Verhalten zum Beispiel nach zwei Erfolgen. Er wird ruhiger, vielleicht wirkt er sogar Schuldbewusst.
So kann man, auch ohne den Fortschritt direkt auf einer Liste zu tracken – so viele Erfolge habt ihr von denen die ihr braucht (was die Immersion ja schon stark stören kann) – trotzdem klar Kommunizieren, dass die SC Fortschritt machen und sich ihr Einsatz lohnt. Und all das, während die restlichen SCs versuchen die Helfer des Wilden davon abzuhalten, sie umzubringen.

Die Belohnung des Bestehens einer Skill Challenge sind auch vielschichtiger, als der Gewinn eines Kampfes. Vielleicht erhält man Unterstützung von bisher ungeahnter Seite. Vielleicht erhält man Zugriff auf Gegenstände, Informationen oder Pfade, die man sonst nicht zur Verfügung hätte. Vielleicht wird einem ein zukünftiger Encounter erleichtert.
Umgekehrt ist auch das Versagen mit mehr Möglichkeiten belastet. Außerhalb des Kampfes kann es zum Beispiel Healing Surges kosten, wenn man in der Wildnis unterwegs ist. Vielleicht kann man in einem Encounter nur mit Abzug kämpfen, weil man einen Effekt auf einem Gelände nciht beseitigen konnte. Vielleicht gewinnt man neue Feinde, oder die Informationen, die man sich in einer Skill Challenge ohne viel Risiko und Schmerzen hätte erfragen können muss man auf einmal unter Einsatz seines Lebens aus einem Gegner und seinen bis dahin organisierten Freunden herausprügeln ….

Ich finde die Möglichkeiten, die sich mit Skill Challenges ergeben, faszinierend. Gut ins Bild passt dabei, dass es nicht so himmelweite Unterschiede bei den Skills der Charakterklassen gibt. Klar beherrscht der Rogue immer noch mehr Skills als der Krieger, aber der Unterschied ist wesentlich(!) kleiner als das bei D&D 3.5 war und auch bei Pathfinder immer noch ist.

Wenn es jetzt für die einzelnen Klassen auch noch mehr Powers geben würde, die außerhalb der Kampfsituationen ziehen, wäre es doch fast schon perfekt. Ich hoffe, wir kriegen hier noch einiges zu sehen.

, , , , ,

Advertisements

7 Antworten zu “Skill Challenges – Alternative zu Combat Encounters

  1. Heute (Freitag) starte ich meine neue „Wraith Recon“ Runde fü D&D4. Da spielen „Skill Challanges“ auch eine große Rolle. Daher bin ich gerade immer auf der Suche, in wie weit man diese aufbauen kann (von der reinen Würfelorgie bin hin zum fast „reinen“ Rollenspiel). Dein Artikel hat mir da auf jeden Fall gut geholfen. Vielen Dank.

  2. Ich würde mich sehr freuen zu hören wie es läuft 🙂

  3. Skill Challenges sind in meinen Augen eine der besonders gelungenen Ideen in D&D4E. Ich leitere gerade eine Runde „Thunderspire Mountain“ dort gibt es im letzten Drittel auch 2 Skill Challenges. Ich brenne schon darauf, diese mal wirklich erleben zu können.

    Was meint ihr, reine Skill Challenges ohne Kampf dennoch mit Initiative laufen lassen?
    Vermeiden möchte ich auf jedenfall, dass die Helden wissen, welche Skills sie einsetzen sollten. Von daher will ich dabei ordentlich Rollenspiel-Interaktion erleben.

  4. wozu Ini? Wenn es natürlich Elemente gibt, die an bestimmten Zeitpunkten zuschlagen (Wortspiel nicht beabsichtigt), ist es vielleicht nötig mit Initiative zu arbeiten. Normalerweise sollte man aber ausserhalb des Kampfes auch in Skill Challenges darauf verzichten können.

    Bei der Kommunikation der zu verwendenden Skills bin ich mir selber noch nicht sicher. Wahrscheinlich müssen hier Hinweise erfolgen damit man die Helden nicht unnötig auf den Holzweg schickt. Die Schwierigkeit einer Skill Challenge ergibt sich ja schon aus dem Level und der Komplexität. Skill-Raten ist nicht Teil der Challenge. Die Helden sollten IMO eine Skill Challenge nicht deshalb vergeben, weil sie sich total auf dem Holzweg befinden und keine vernünftigen Hinweise darauf kriegen, wie die richtige Vorgehensweise sein sollte.
    Wenn man hier aber etwas vergebend ist sollte das wohl nicht das Riesenproblem sein.

    Auf der anderen Seite will man ja auch meistens nicht, dass eine Skill Challenge wirklich ein reines Würfelspiel wird.

    Ich bin auch sehr gespannt, wie sich Skill Challenges in der Realität machen. Ich halte es auch für sehr wichtig, dass ein Erfolg entsprechend kommuniziert wird.

  5. @Bernd Pressler
    Und hier die kurze Rückmeldung: „Skill Challenges“ – toll, wenn z.B. eine Falle entschärft werden, ein Gebiet kartographiert oder sich in einem „Tunnelsystem“ (abstrakt) zurechtgefunden werden muss. Solche Situationen kann man damit super handhaben. Die Spieler sagen im einzelnen, welchen Skill sie einsetzen wollen und warum. Entsprechend ihrer Begründung gebe ich einen „DM´s best friend“ von +2 dazu. Hat super geklappt.

    Etwas ratlos bin ich bei den „Skill Challenges“ wenn es um die Abwicklung „rollenspielerischer“ Dinge geht. Zum Beispiel Verhandlungen, Informationsbeschaffung, Nachforschungen, usw. In unserem Abentuer gestern mussten die Charaktere das mögliche Versteck eines „Demagogen“ in einer Stadt ausfindig machen. Die ganze „Informationsbeschaffung“ war über eine „Skill Challenge“ geregelt. Sprich: Die Charaktere konnten auf Bluff, Streetwise, usw. würfeln. Nur wollten die Spieler viel lieber in örtlichen Tavernen rumfragen – Marktplätze im Auge behalten, usw. Hier ist es mir irgendwie schwer gefallen, „Rollenspiel“ und „Skill Challenge“ unter einen Hut zu bringen. Vor allem, wenn das Abenteuer selbst nur das „Setup“ für die Challenge vorgibt. Die Charaktere wollten Namen von Tavernen, mit Personen reden, usw. Alles an sich kein Problem – nur wenn die Szene dann selbst doch wieder „nur“ von einer gewissen Anzahl an erfolgreichen Würfelwürfen abhängig ist, fehlt es da irgendwie an handfesten Dingen die ich beschreiben kann. Ein Spieler kann eine tolle Idee haben und einen guten Wurf hinlegen, welche ihm einen weiteren Erfolg in der „Skill Challenge“ gibt. Doch wie bringe ich diesen Erfolg meinen Spielern rübern? Wie mache ich klar, dass noch X Erfolge fehlen oder Y Misserfolge zu einem Fehlschlag führen, OHNE das es eine rein technische „Würfelorgie“ wird? Irgendwelche Tipps? Sollte man den Spielern sagen das sie sich in einer „Skill Challenge“ befinden? Sollte man ihnen sagen WELCHE Skills zum Einsatz kommen können und welche DC sie jeweils haben? Sollte man es der „Reihe um“ machen, selbst wenn sich die Charaktere z.B. frei in einer Stadt bewegen? Ich bin ein wenig Ratlos …

  6. Ich würde es als Spielleiter etwas flexibler handhaben. D.h. ich würde mich nicht auf die von der Skill Challenge festgelegten Skills versteifen. Denn Rollenspiel besteht ja immer wieder darin, dass die Spieler Wege gehen, die gut sind, aber vom Abenteuer so nicht bedacht waren. Und ob jetzt 5 Erfolge auf History oder auf Streetwise gewürfelt wurden, ist doch letztlich egal. Der DC und die benötigten Erfolge bleiben ja gleich. (Und eine Skill Challenge versagen zu lassen, nur weil kein Spieler den einen benötigten Skill hat, fände ich eher unschön.)

    In obigem Fall kann man eine Skill Challenge auch völlig rollenspielerisch lösen. Man lässt die Chars machen und fragt an passenden Momenten eine Probe ab (im Abenteuer fehlende Infos muss man eben spontan erfinden). Dass man nach einem Gespräch mit einem Wirt mal ’ne Diplomacy-Probe machen muss, um zu sehen, ob der einem hilft, ist völlig normal (auch in anderen Systemen) und wird von keinem Spieler als Einschränkung des Rollenspiels betrachtet (denke ich).

    Die dadurch erzielten Erfolge oder Misserfolge würde ich heimlich mitzählen, um dann schließlich zu sagen, ob sie Erfolg hatten oder endgültig hängengeblieben sind.

  7. Ich würde die Skill Challenge im Zweifel auch zugunsten der Spieler auslegen. Auch oder besonders bei Rollenspielerischen Aktionen. WEr den Dungeon liest (also DDI Subscriber ist) weiß wohl auch, dass die Systementwickler inzwischen dafür plädieren, wenn gerade die Erzählung gut läuft, ruhig Mal fünfe gerade sein zu lassen. Warum soll man Würfeln, wenn gerade alle mit der Erzählung Spaß haben? Oder wenn man denn Würfeln will, dann ruhig aufgrund der Erzählung und investierten Ideen mit fettem Bonus.
    Die Erfolge würde ich, bei Tätigkeiten in denen vor allem die Spieler aktiv sind, auch heimlich mitzählen und vielleicht durch Veränderungen in der Situation kommunizieren. Die Spieler sollten schon wissen, wann sie auf dem richtigen Weg sind. Und sie sollten auch wissen, dass sie sich in einer Challenge befinden.

    Ich persönlich finde übrigens diese Informationsbeschaffungen und Nachforschungen eher langweilig. Sie sind oft genug nur Mittel zum Zweck und in sich selbst weder irgendwie dramatisch noch atmosphärisch. Klar gibt es auch bei sowas vielleicht ein oder zwei Schlüsselsituationen auf die man sich konzentrieren kann, aber das „rumgeeiere“ bis man endlich was handfestes hat geht mir ziemlich auf den Senkel. Es steht ja auch im Endeffekt nichts auf dem Spiel.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s