4e, Skill Challenges und ihr positiver Einfluss


Ja, eigentlich wollte ich ja einen Spielbericht schreiben, aber ich muss vorher ein paar Gedanken zu Skill Challenges in D&D 4 loswerden.

Kurz gesagt sind Skill Challenges eine Abfolge von Skillproben um ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Man muss eine bestimmte Anzahl von Erfolgen erreichen, bevor man eine bestimmte Menge Fehlschläge erzielt.
Ein Beispiel wäre eine Reise durch die Wildnis, wo man Überlebensproben, Orientierungsproben und Durchhalteproben ablegt und dabei zum Beispiel 5 Erfolge braucht bevor man 2 Fehlschläge erzielt.

Das ganze kann man dann noch mit Unterstützenden Proben würzen, so dass man Boni bekommt oder Abhängigkeiten erzielt (bei einer Jagd muss man vielleicht erst Mal ein wenig mit Naturkunde nach Spuren suchen bevor man überhaupt die Möglichkeit hat, sich mit Stealth anzuschleichen).

Man erhält also pro Skill Challenge eine Liste von Skills mit Schwierigkeiten und einer Beschreibung, was man da mit dem Skill macht oder erreicht. Für das Bestehen der Challenge gibt es XP. Beim Versagen gibt es unangenehme Konsequenzen. Das ist auch ein wichtiger Punkt: Ohne eine Bedrohung wären Erfahrungspunkte nicht gerechtfertigt.

Und was machen wir jetzt damit? Und wie?

Möglichkeiten

Wie kann man mit diesen Skill Challenges umgehen?

Ich experimentiere selber noch mit dieser Mechanik – die vielleicht mehr ist als einfach nur eine Mechanik: In einer Regellastigen Gruppe kann man Skill Challenges einfach nehmen wie beschrieben und würfelt sie herunter. (Es ist ein RollenSPIEL. Wer Spielen will, soll das tun) Das funktioniert wunderbar und trägt trotzdem in einem gewissen, geringen Grad zur Geschichte bei. Wenn man hier als SL noch offen ist für Vorschläge der Spieler, wird auch nicht unbedingt die Kreativität total gehemmt. Jedem ist aber klar: Das ist eine Skill Challenge. Wenn wir das schaffen, gibts XP, wenn wir das nicht schaffen, kriegen wir wahrscheinlich Probleme.

Aber was ich außerdem als Möglichkeit wahrnehme: Man könnte eine Skill Challenge auch als Vorschlag verstehen. Man schildert die zu lösende Situation und lässt den Spielern freie Hand. Zu keinem Zeitpunkt wird kommuniziert, dass sich die Spieler in einer Skill Challenge befinden. Welche Skillwürfe getätigt werden müssen um zu bestehen, wird ebenfalls nicht gesagt. Die Spieler können erzählen, selber auf Ideen kommen. Erfolge werden hinter dem Schirm getrackt und nur in erzählerischer Form weitergegeben. Man kann Skillwürfe bei guter Erzählung wegfallen lassen oder mit Boni (oder bei schlechter Erzählung oder schlechten Ideen mit Mali) versehen. Bei bestehen kann man den Erfolg immer noch am Ende kommunizieren.

Ich bin bisher einen Mittelweg gegangen: Ich habe vorher kommuniziert, dass es sich um eine SKill Challenge handelt, aber die Spieler konnten frei entscheiden, wie sie die Sache angehen.

Toll? Aber warum das denn?

Ja. Was ist denn nun so wirklich toll an diesen Skill Challenges? So eindrucksvoll klingt das ja jetzt nicht. Das ist ein wenig wie Extended Skill Checks, wie wir sie von While Wolf Systemen kennen, nur dass hier mehrere Skills auf einmal zusammengewürfelt werden.

Es gibt mehrere Dinge, weswegen ich Skill Challenges für eine wirklich tolle Sache halte.

1. Abbildung von Situationen mit „großem Scope“

Wenn man eine Situation hat, die einen längeren Zeitraum umspannt, aber die nicht einfach so durcherzählt werden soll, kann eine Skill Challenge das Bindeglied darstellen, über das die Mechanik die Geschichte verbindet. Man hat nicht einfach nur eine Reihe von Ereignissen, sondern auch eine Fortschrittsskala über diese Sequenz.
Mögliche Szenarien für so etwas wäre zum Beispiel das Überstehen einer Belagerung oder die eben schon genannte langwierige Reise durch die Wildnis. Dabei muss man immer im Hinterkopf behalten: Nur wenn ein Preis fürs Versagen gezahlt wird, ist es wirklich eine Skill Challenge.

2. Vorschläge für den Spielleiter

Ja, so eine Skill Challange kann man hart auslegen und nur das und zu dem Zweck zulassen, wie es in der Challenge steht. Aber man kann als Spielleiter die Skill Challenge auch als Vorschläge verstehen, wie man eine bestimmte Situation lösen könnte. Es werden sozusagen Ansatzpunkte (oder Sollbruchstellen 😉 ) vorgestellt. Man bekommt nicht einfach eine Situation präsentiert und muss sich dann als Spielleiter selber überlegen, was man denn als vernünftigen Ansatz hier verwenden könnte. Die Spieler müssen sich natürlich je nach Vorgehensweise schon noch ihre eigenen Gedanken machen.
Und man kriegt auch gleich noch einen Erfolgsindikator mitgeliefert.

3. offeneres Abenteuerdesign

Das ist meiner Meinung mach die wichtigste Errungenschaft von Skill Challenges – für D&D Abenteuer. Viele 3.5er Abenteuer haben hier und da Mal eine „Rollenspielsituation“, die nicht durch das Austauschen von ein paar Sätzen gelöst ist, aber vieles ist ziemlich Encounterlastig und das Ausbrechen daraus ist nicht ganz einfach. Klar kann man auch hier mit Ideenreichtum viel erreichen, aber sowohl als Spieler tut man sich schwer wenn man eben Skillschwache Charaktere hat, wie auch als Spielleiter, weil es selten Leitlinien gibt, an denen man sich entlanghangeln kann. Schwierig finde ich auch, dass selbst wenn es solche Situationen gibt, sie zumeist nur Mittel zum Zweck sind. Man tut es, um den nächsten Gegner zu erreichen (oder zum umgehen) und dafür gibts dann XP (Primärer Belohnungsmechanismus. Mir ist schon klar, dass es im Rollenspiel wesentlich mehr gibt, als das Sammeln von Erfahrungspunkten)

Bei 4e kann man mit Hilfe von Skill Challenges schneller Situationen einbauen, die anders als durch draufklüppeln zu bewältigen sind und weiß hinterher auch noch, wie man die entsprechende Sache zu bewerten hat. So werden diese Situationen auch vom Fokus „Mittel zum Zweck“ zu eigenständigen Lösungswegen aufgewertet. In den Kaufabenteuern findet man schon die eine oder andere Skill Challenge und wenn man sich ein wenig in den offiziellen digitalen Magazinen oder auf der Webseite umsieht, gibt es noch weitere, sehr interessante Hinweise. Ich hoffe diese Chance wird in Zukufnt auch weiter und stärker genutzt, um offenere Szenarien zu bieten (auch wenn auch Kämpfe bei 4e wirklich Phänomenal dynamisch sind).

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3 Antworten zu “4e, Skill Challenges und ihr positiver Einfluss

  1. Ich kann mich deiner Ausführung nur anschließen. „Skill Challenges“ sind in der Tat immer wieder eine ziemliche „Gratwanderung“ zwischen dem reinen „durchwürfeln“ der Challenge und der Möglichkeit der Spielercharaktere die ganze Situation „auszuspielen“ (und anhand von Ideen oder „Ausgespieltem“ Erfolge und Misserfolge zu verteilen). In meiner Wraith Recon Runde kommt es ja quasi ständig zu „Skill Challenges“ und als Spielleiter muss man wirklich erst lernen damit umzugehen.

    Auch die Sache mit dem „großem Scope“ kann ich nur bekräftigen. Häufiges Beispiel in meiner Runde: Die Wraiths müssen z. B. ein großes Labyrinth (Minenstollen, Kanalisation einer Stadt) durchqueren. Klar könnte man das jetzt als „Dungeon Crawl“ ausspielen. Doch wenn diese Etappe nur als Zwischenepisode gedacht ist, lässt sich dieses „Zurechfinden“ auch schnell in Form einer „Skill Challenge“ lösen. Erfolg = Ziel erreicht / Misserfolg = Sackgasse oder irgendein Encounter (Hinterhalt von irgendwelchen Gewürm, Falle, usw.).

    • Ja, so kann man das machen: Skill Challenges können helfen den Fokus besser zu setzen. Je nachdem wäre es aber nach 4e-Denke keine richtige Skill Challenge (kommt halt drauf an, was dran hängt). Aber unabhängig von der Belohnung durch XP, vermeidet man bei Konsequenter Anwendung, durch mechanische Verwendung von Skill Challenges, dass eigentlich unwichtige Storyteile einen zu grossen Zeitraum verschlingen – und trotzdem hat das Können der Charaktere einen Einfluss.
      Bei wichtigen Ereignissen kann man das immer noch explizit ausspielen, hat aber als SL einen starken Leitfaden, wie Ziele und Vorgehensweisen in einer Situation aussehen könnten. Ich halte den Mechanismus für extrem mächtig und flexibel, wenn man nicht nur „by the book“ spielt. (Und selbst wenn ist er den meisten anderen Systemen überlegen, bei denen „by the book“ auch nur einfach Mal Skills gewürfelt werden)

  2. Ich gebe die XP einer Skill Challenge auch dann, wenn die Situation rein durch gute Ideen oder ohne zu Würfeln gelöst werden konnte.

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