Ein paar wilde Gedanken zu Mage


Hätte ich das Mal vor 7 Jahren geahnt!

Vor geschätzten 7 Jahren habe ich Mage gespielt und … ich muss sagen der Prozess dieses System zu erlernen …. war interessant. Es ist nicht so wie bei den Meisten Rollenspielsystemen: Man setzt sich hin, liest die Regeln und weiß dann im Prinzip, wie der Hase läuft. Zumindest war es für mich nicht so.
Mage ist tatsächlich ein Prozess des Lernens und der Öffnung. Und wie man sich langsam der Gedankenwelt von Mage öffnet, so erweitern sich die Möglichkeiten. Die eigene Wahrnehmung bestimmt, was man hier alles machen kann wesentlich mehr als das vorliegende Regelwerk. Eine faszinierende parallele zum Wirken von Magie im System selbst.

Und vor kurzem ist mir dann der Hellblazer Comic aus DCs Vertigo Reihe in die Hände gefallen – also nicht eins von diesen Comics, sondern richtig viel davon. Genug, um mich einige Wochen zu beschäftigen. Ein Blick hier herein … und ein Blick zurück. Hätte ich damals Hellblazer zu würdigen gewusst, dann hätte mir Mage sicher noch viel mehr bedeuten können. Es hätte den Lernprozess vorantreiben können! Verdammt. Und dabei ist die Comicreihe auch noch wirklich gut!

Ja wie? Was raucht der Mann? Ist das nicht ein glühender 4e-Verfechter? Ja. Und? Ich war nicht immer so und auch heute noch würde ich alle Systeme spielen, die ich für gut halte. Mage als System war gut. (Als Welt … weniger. Danke, White-Wolf, dass ihr eure Geniestreiche immer mit 10 Prisen Hoffnungslosigkeit zu viel würzt.) Die Idee, dass man die Realität mit seinem Willen allein (plus ein paar Hilfskonstrukten) beeinflussen kann und dass sich diese Realität (bestehend aus der akzeptierten Gesamtwahrnehmung dessen, was wir Realität nennen) dagegen wehrt (also Gesamtwille gegen einzelwille) ist schon ziemlich schick. Dass es dann noch eine Technokratie braucht … war IMO etwas zu viel des guten und schränkt das eigentlich wunderbar offene und … ja … das Wort hab ich doch eben schon gebraucht: Das Wunderbare eben! … aeh… ein.

Ja, okay. Lernprozess. Der Lernprozess in Mage ist deswegen so interessant, weil er weniger mit den Regeln zu tun hat. Für mich hatte er wesentlich mehr damit zu tun, die Grundsätze der Welt zu begreifen und zu verstehen, was man wann mit Magie wie tun kann. Mit jeder Spielsitzung öffnet sich der Geist der Vorstellung ein wenig – nur wenn der Spieler versteht, kann der Charakter auch verstehen. Zumindest war das mein Eindruck. Nicht unbedingt mein bevorzugter Spielmodus: Eigentlich halte ich nicht viel davon, wenn das Spielerwissen und die Fähigkeiten des Spielers den Ausschlag geben (wozu brauche ich dann einen Charakter?), aber hier ha tes für mich wunderbar funktioniert.

Und warum jetzt Hellblazer? Das ist doch ein DC Comic! Ja. Eben weil Hellblazer viele, viele Anstöße gibt, wie Geschichten in Mage hätten funktionieren können Auch heir geht es um Magie (nicht immer, aber immer öfter😉 ). Hier wird gezeigt, wie sich Magie manifstieren kann, ohne gleich total offensichtlich zu werden. Die Effekte auf eine Welt werden dargestellt und der Kampf gegen schlechte Effekte. Okay, John Constantine ist irgendwie ein Arschloch und ein Pechvogel und IMO tut er zu wenig dagegen – generell ist er oft genug eher Beobachter, als dass er die Dinge in die Hand nimmt (Waschlappen!). Die Welt (zumindest Constantines Sicht auf die Welt) ist damit logischerweise nicht besonders positiv, passt also sogar noch recht gut zum World-of-Darkness (Oh woe is me!) Thema. Aber zumindest kommt Hellblazer ohne eine Technokratie aus. Es gibt keinen Ascension War und auch keinen verlorenen Ascension War. Die Welt ist damit viel offener und hat viel mehr Platz auch für Märchenhaftes und für Triumphe, die nicht gleich wieder bitter bezahlt werden müssen.
Das hätte es auch in Mage sein müssen. Das wäre richtig gewesen.

Ein Kumpel von mir hat Mal gesagt, dass mit der Mage revised edition wieder mehr Möglich wäre. Der Metaplot war hiermit so weit fortgeschritten, dass der Ascension War (vereinfacht: der Kampf gegen die Technokratie) für die Magier schon verloren war. Die Technokratie hatte gewonnen. Und irgendwie verstehe ich es nicht wirklich.

Okay. Ich muss nicht mehr als Magier gegen die Technokratie kämpfen um sie aufzuhalten. Es ist sinnlos, sie hat ja gewonnen. Aber das bedeutet auch ich KANN es nicht mehr tun. Sie hat gewonnen! Innerhalb der Organisationen der Magier ist es vielleicht so, dass es mehr Freiheitsgrade gibt, weil viele der alten Großmeister, die die Fäden in den Händen hielten, verschwunden sind. Auf der anderen Seite büßt man auch die Möglichkeit ein, wirklich etwas zu verändern. Der neue Status Qou steht fest und man gehört nicht zu der Kaste, der ihn diktiert. Man muss sich mit dem Abfinden, was man bekommt. Irgendwie empfinde ich das nicht als befriedigend.

Aber da liegt vielleicht auch der Hund begraben. (oder wie auch immer) Wie ich schon Mal früher schrieb: Zero-To-Hero. Ich will letztendlich etwas erreichen und verändern können und das möglichst ohne meinen Charakter im Prozess kaputtmachen zu müssen. Das ist nicht mein Eindruck von der Welt und diesen Eindruck will ich auch nicht im Spiel geboten bekommen.

Okay, okay. Ich hör jetzt auf. Einfach weiterschreiben könnte ich sicher noch Stundenlang über das Thema, aber irgendwann wirds langweilig.

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Eine Antwort zu “Ein paar wilde Gedanken zu Mage

  1. Sehr guter Artikel (es hat bei mir auch eine Weile gebraucht, bis es „klick“ gemacht hat und ich gemerkt habe, dass man mit einigen wenigen Stufe 1&2 Effekten – klug kombiniert – einen Effekt erreichen kann, für den man normalerweise die Sphäre auf 5 braucht).

    Der Witz bei Mage Revised ist ja, dass der „Sieg“ der Technokratie keiner ist: solange noch *ein* einziger Magier existiert, kann dieser das gesamte Konstrukt ins wanken bringen.
    Alles was er dafür braucht ist:
    a) Zeit
    und
    b) Klarheit darüber, was er eigentlich *will*
    (an b) hapert es am meissten).

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