Warum Dark Sun nichts für mich ist


… oder: Mein Problem mit düsteren Settings und mächtigen Helden

Es gibt eine Reihe von Settings da draussen, die damit „werben“, dass hier Helden mächtiger sind und die Gefahren im Gegenzug auch größer sind. Allen voran sind da zum Beispiel Exalted, Dark Sun und Midnight. (wobei im aktuellen Dark Sun die Machtsteigerung gegenüber dem Standard D&D 4 nicht mehr so offensichtlich ist)

Was ich besonders tückisch daran finde ist, dass zwar natürlich den Helden mehr Macht gewährt wird, aber andererseits die Gefahren noch sehr viel deutlicher zunehmen. Unter dem Strich wird es also trotz aller Maßnahmen gefährlicher, aber inzwischen kenne ich diese Masche ja. Trotzdem ist es irgendwie irreführend Spieler so ins Boot zu holen. Ich weiß nicht, ob seinerzeit Dark Sun genau so gut funktioniert hätte, wenn alles so gewesen wäre, wie im Standard D&D. Auch beim Midnight Campaign Setting hat dieser Köder ganz gut funktioniert, aber am deutlichsten wird diese Masche bei Exalted (1st Edition).

Dass man immer noch Helden spielt  führt dann dazu, dass ich die Missstände eines solchen Szenarios gerne aus der Geschichte heraus beheben möchte. Das wird einem aber natürlich schwer gemacht – immerhin ist es ja das Setting selbst, was man gewissermassen verändern möchte. Irgendwie kann das nicht Sinn und Zweck der Übung sein. Schnell merkt man, dass jeder Erfolg, den man hat, am Ede nur ein Tropfen auf den heissen Stein (besonders bei Dark Sun) ist und sorry, mich frustriert das. Besonders schlimm ist es, wenn ich dann mit Spielern zusammenspiele, deren Charaktere das alles überhaupt nicht stört. Ich schätze ich kann mich in diesen Situationen einfach nicht genug von meinem Charakter trennen, Beziehungsweise selbst das Setting so akzeptieren wie es ist.

Dann gibt es aber noch etwas, was mich sehr stört an diesen Settings. Sie sind fast immer in einem fragilen Zustand und funktionieren nur an diesem Zeitpunkt in ihrem eigenen Zeitstrahl. Die Umstände sind so ausgewählt, dass alles zum schlechten kippt, aber Menschen durchaus noch mit der Situation umgehen können. Wenn man die Dinge so laufen lassen würde, wie sie normalerweise laufen müssten, wird das ganze System ganz von allein umkippen.

Bei Dark Sun wird die Welt irgendwann (bald) nicht mehr genug aufbieten können um diejenigen zu Nähren, die auf ihr leben. Bei Midnight wird der dunkle Herrscher die gesamte Welt zweifelsfrei beherrschen, alle Widerstände sind hinweggefegt. Bei Exalted (hier ist es zugegebenermassen am ehesten kompliziert) sollte im Endeffekt auch die allen Elementen innewohnenden Fehler dazu führen, dass das ganze System sich selbst vernichtet. Entweder fällt es einer Invasion von aussen zum Opfer, oder es verschwindet einfach im Nichts.

Das beste, was Helden jetzt normalerweise tun können ist, den Status Quo gerade eben zu erhalten. Sie Opfern alles, wollen eine Verbesserung herbeiführen (oder auch nicht) und erzilen unter grössten Kraftanstrengungen einen Sieg, der sich aber im Endeffekt als zu unwichtig herausstellt, um eine Veränderung im großen Maßstab zu erzielen.

Wenn man also nichts tut kippt das Setting von sich aus, wenn man aber eingreift ist (IMO) Frust vorprogrammiert. Ich bringe wohl einfach nicht die richtige Einstellung mit, um in diesen düsteren Settings vernünftig spielen zu können. Irgendwie schade, denn für den Moment finde ich sie hübsch – der Handlungsdruck ist so wunderbar stark, man muss einfach etwas tun. Nur darf man eben nicht.

9 Antworten zu “Warum Dark Sun nichts für mich ist

  1. Na ja, der SL kann es ja trotzdem ändern.🙂

  2. Das mit dem fragilen Zustand ist doch eigentlich absoluter Normalzustand:

    Wenn wir nichts tun wird es Überbevölkerung, keinen Treibstoff, Krieg um die letzten Reserven geben – ganz ohne Rollenspiel. Warum sollte es im RPG anders sein?
    Und: Bei Midnight geht es tatsächlich um mehr als das schlanke Überleben – aber das erkennt man erst, wenn man einige der Quellenbücher dazu gelesen hat🙂
    Deepfire: Rolemaster: Midnight SL

  3. Hm, ich habe einige der Quellenbücher gelesen aber ich sehe nicht, was du meinst. IMO unterscheidet sich Midnight nicht von anderen Dark Fantasy settings: Die GEgner sind überlal und überaus mächtig, man hat die Chance zwar etwas zu bewegen, sich in den Widerstand zu begeben, aber der Widerstand ist nicht zu vergleichen mit dem Hintergrund der Rebellion bei Star Wars.

    Das mit dem fragilen zustand stimmt zwar vielleicht, aber ich spiele ja gerade deswegen D&D 4 auf Welten wie Eberron oder Faerun, weil die Welt eben nicht vor die Hunde geht, ohne dass ich eingreife. Einzelne Kampagnen können schon in diese Richtung gehen, aber das Setting an sich lässt mir die Freiheit. … Vielleicht fehlt mir auch eben diese Freiheit bei Midnight.

    Das ich auch Midnight etwas machen kann ist mir aber auch klar. Ich hatte Mal eine Kampagne grob geplant, die:
    – am Anfang die Spieler in die Rebellion eintreten lässt
    – einige Schläge gegen den Gegner führt
    – aber auf lange Sicht versuchen soll, die Verbindung der Götter zur Welt wieder herzustellen

    Und dann geht es erst richtig los: Die Götter sind durch die Trennung von der Welt wahnsinnig geworden, damit müssen die Bewohner dann erst Mal umgehen, schliesslich muss eine neue Lösung gefunden werden. Hier in diesem zweiten Bereich war das System ziemlich offen (aber erst jetzt mit D&D 4 würde ich mir zutrauen, die Charaktere Mal gegen einen Gott antreten zu lassen.) In der Kampagne dient die Midnight Welt wie sie ist nur als Ausgangspunkt und Entschuldigung rihtig abdrehen zu können.

    Es versteht sich von selbst, dass die Feinplanung nicht mit der Grobplanung mithalte konnte.

  4. Ich mag Dark Sun und Midnight auch nicht besonders – eben wegen diesem „düsteren“ Anstrich.

    Bei Exalted gibt es IMO noch einige Meta-Möglichkeiten, durch welche die SC versuchen können die eingebauten „Fehler“ im Setting zu beheben:
    -sie können versuchen die „exalted shards“ vom Großen Fluch zu reinigen
    -sie können versuchen die Unterwelt zu vernichten (und den Seelen wieder eine reibungslose Reinkarnation zu ermöglichen)
    -sie können die Wyldnis von der Schöpfung abspalten (und die Fair Folk damit von ihrer Machquelle)
    -sie können die Fair Folk (durch Social-Fu) zu einer Macht für das Gute machen
    -sie können die Götter töten und den Himmel demokratisch lenken
    -sie können verhindern, dass neue Exalted entstehen, damit die Menschen endlich ihre Chance erhalten
    usw.usf.

    Natürlich könnte jede dieser Möglichkeiten zu einer Zukunft führen, die letztendlich noch schlimmer ist, als das gegenwärtige Setting, aber es ist auf jeden Fall besser als planlos durch die Wüste zu ziehen oder sich vor einem Dunklen Herrscher zu verstecken (wenn es bspw. eine Möglichkeit gäbe Athas wieder mit Leben zu füllen – aber auf Kosten einer anderen Welt – dann wäre das schon wieder interessant, aber das gibt D&D leider nicht her).

  5. Exalted ist tatsächlich – vor allem in der 2nd Edition – so geschrieben das die Spieler nicht den „Status Quo“ erhalten sollen (Dieser ist es doch, der die Welt in den Untergang führt) sondern ihn viel mehr umstoßen und vernichten sollen. Ob daraus eine strahlende Zukunft oder das ende aller dinge wird liegt alleine in den händen der Spieler.

  6. Oh, die Idee Athas eine Zwillingswelt zu verpassen, die vor Leben nur so strotzt finde ich klasse! Dann müsste man noch zwischen beiden Welten hin und her springen können – irgendwie würden sich dann athas und die andere Welt zueinander verhalten wie Feywild und Shadowfell – ohne das Ausgleichende Element in der Mitte.
    Das ist ja Mal interessant.

  7. Ich denke es trifft auch nicht auf die 4ed Dark Sun zu. Denn alleine die Epic-Klassen sagen in ihrer Fluff-Beschreibung eine deutliche Änderung des Status Quo voraus. Es ist also vorgesehen die Welt zu ändern.

  8. Zur Zeiten der 2nd Ed hat sich Dark Sun im Verlauf der Zeit rapide verändert. Aus diesem Grund wird nun ja auch „von vorn“ begonnen und alle Änderungen nach der Grundbox auf den Müll geworfen. Das damalige Dark Sun hat sich weit weg vom reinen Wüstensetting entwickelt und auch die Dragon Kings hats ja nach und nach erwischt.

    Viele Spieler haben aber ähnliche Probleme wie du. In einer meiner Runden war es beim Warhammer FRPG ähnlich – auch da ist der Grund-Tenor so, dass Helden zwar im Moment scheinen können, letztendlich aber das Chaos nicht aufzuhalten ist. Bei Midnight ist dies noch ausgeprägter, einfach weil das Böse ja quasi schon gewonnen hat.

  9. Es ist irgendwo auch unglaubwürdig. Warhammer40k hat ja schon seit gefühlten Ewigkeiten einen Zustand in dem das Universum in dem alles spielt kaputt und immer kaputter ist. Irgendwann wird es IMO lächerlich, wenn dann nicht doch das Unvermeidliche eintritt.

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