Essentials:Spotlight und Das Ende Der Wahlfreiheit


Nach allem was wir bisher gesehen haben gibt es einige Chancen und Probleme mit den 4e Essentials, aber darunter ist eines, dass mir erst gerade klar geworden ist: Als Spieler hat man bei Essentials Klassen nicht mehr die Wahl, welchen Charakter man wie einfach haben will. Und wieviel Chance man darauf hat, wirklich zu strahlen. Bestimmte Charaktertypen folgen immer bestimmten Mustern – so wie es bisher aussieht. Es gibt komplexere und einfachere Charaktere und das ist sicherlich eine gute Sache. Aber in der Art und Weise was jetzt komplexer und was einfacher ist liegen eine Reihe von neuen Problemen – die glücklicherweise nicht unlösbar sind.

Resourcen wie wir sie kennen

Vor den Essentials hatten alle Klassen bestimmte Ressourcen: At-Will, Encounter und Daily Powers, die sich entsprechend wieder aufgefrischt haben. Es war egal, ob der Charakter jetzt von Göttlichen Mächten unterstützt wurde, ob er Arkane Geheimnisse für sich verwendete oder ob er sich einfach auf die Fähigkeiten seines Körpers oder Geistes verlassen hat.

Das bedeutet auch, dass jeder Charakter die Chance hatte, sich zurückzuhalten in bestimmten, unwichtigeren Encountern. Man hatte die Wahl, ob man 80% gibt, ob man 100% gibt oder ob man 150% gibt, sozusagen. Damit einher geht auch die technische Möglichkeit klar zu machen, dass eine bestimmte Situation für einen Charakter besonders wichtig ist. Er will mehr Spotlight, mehr Einfluss auf die Situation, also gibt er seine Daily Powers aus.

Selbst das Fehlen von Encounter-Powers bei den Psionikern macht dabei keinen Unterschied: Sie simulieren diese Ressource durch ihre Power Points. Im Großen und Ganzen darf es also jeder, wenns drauf ankommt, so richtig krachen lassen – oder sich zurückhalten.

Alles geben? Spotlightverteilung

Und was ist mit den Essentials?

Nach allem, was wir bisher gesehen haben, fehlen den Martial-Charakteren bis dato auf jeden Fall eine Ressource: Sie haben keine Daily Powers. Das macht sie sicherlich einfacher handhabbar. Wizards und Clerics haben diese Ressource durchaus noch, diese Klassen sind also in ihrer Handhabung auf dem Schlachtfeld komplexer.

Das bringt neue Probleme mit sich: Der Fighter oder Rogue gibt vielleicht in jeder Situation 100%. Er hat ja nichts zu verlieren: Encounter Powers sind nach dem Kampf eh wieder da und eine Ressource, die er über den Kampf hinaus managen muss, kennt er scheinbar nicht. (Healing Surges und Hitpoints Mal ausgenommen).

Der Wizard hingegen kann und muss die Situationen, die sein Eingreifen weniger erfordern, einfach ruhiger angehen lassen. Er gibt vielleicht nur 80%. Aber wenn dann der richtig wichtige Encounter kommt, die richtig wichtige Situation, dann dreht er richtig auf. Er wirft seine Daily Powers in die Waagschale. Er gibt 150%!

Nicht nur sollten diese Daily Ressourcen seine eigenen Encounter und At-Will Ressourcen überstrahlen, sie sollten auch mächtiger sein, als die Encounter Ressourcen der Klassen, die keine Daily Powers heben, immerhin ist es eine wertvollere Ressource. Schön und gut. Dafür sind vielleicht die Encounter Powers der Klassen, die keine Daily Powers haben mächtiger.

Die Frage ist: Was wird eher bemerkt: Wenn man ständig 100% gibt, egal ob die Situation einfacher oder besser wird? Oder wenn man oft nur 80% gibt, aber wenns drauf ankommt, so richtig „auf die Kacke haut“ und plötzlich 150% gibt. Wenn ich in mein Arbeitsumfeld schaue, ist die Antwort relativ klar. Immer 100% zu geben ist eine Zeit lang nett, aber irgendwann wird es nicht mehr bemerkt. Die Fähigkeit auf technischer Seite klarzumachen: „Das ist mir wichtig, jetzt kommts richtig drauf an“ – diese Fähigkeit fehlt den Klassen ohne Daily Power.

Die Frage ist auch: Wenn man immer gleich viel gibt, läuft man dann nicht Gefahr am Ende doch wieder Handlanger des Wizards zu werden? Immerhin läuft es ja so, dass man den Ärger den es gibt in den einfacheren Situationen so gut kontrolliert, dass der Charakter mit Daily Ressourcen diese nicht Angreifen muss. Man arbeitet also im Endeffekt dafür, dass er diese Ressource er dann angreifen muss, wenn es diesem Charakter wirklich wichtig ist. Man hält ihm den Rücken frei. Willkommen zu D&D 3.5: Sie sind der Krieger? Dann halten sie dem Magier den Rücken frei, bis der gewillt oder gezwungen ist, seine volle Macht ins Spiel zu bringen.

Die fehlende Wahlfreiheit

Nunja, damit könnte ich leben. Wer es einfacher haben will, bezahlt halt irgendwie dafür, aber im Schnitt hat er ja immer noch genau so viel Einfluss aufs Spiel, wie jeder andere Spieler. Man ist in seiner Leistung nur eben konstanter, während andere Punktuell aufdrehen. Dafür gibt es auch keine mehr oder weniger komplizierten Entscheidungen zu treffen ala: Brauche ich diese Fähigkeit vielleicht später noch?

Aber wie sieht es denn jetzt aus, wenn ich einen Charakter spielen möchte, der seine Fähigkeiten aus Arkanen Mächten zieht, aber trotzdem einfach zu handhaben ist? Ich habe ein tolles Charakterkonzept für einen magischen Dieb, der vielleicht mit konzentrierten Energieblitzen aus dem Hinterhalt zuschlägt, und Gegner mit Arkanen Formeln verwirrt. Ich will mir aber keine Gedanken darum machen, ob ich jetzt eine Daily Ressource einsetzen sollte oder nicht. Ich will Arkan und einfach.

Oder ich will schon einen Charakter spielen, der sich allein auf seine körperlichen Fähigkeiten verlässt, zum Beispiel einen Krieger, aber ich fühle mich durchaus fit genug, auch mit Daily Powers umzugehen. Und das alles bitte ohne mit den schrecklich komplizierten Aufstiegssystem und den Wahlmöglichkeiten der bisherigen 4e-Klassen konfrontiert zu sein.

Tja. Dann bleiben mir die Essentials wohl eine Antwort schuldig. Bisher sieht es so aus als seinen alle Martial Charaktere „einfach gestrickt“ und alle Arkanen Charaktere eben komplex.

Vielleicht wird es ja nicht so kommen. Immerhin stehen noch Ankündigungen über die weiteren Essentials Bücher und Klassen aus. Noch kann alles anders werden. Aber ich glaube nicht, dass wir diese Wahlmöglichkeit innerhalb der Essentials noch bekommen. Und das finde ich schade.

9 Antworten zu “Essentials:Spotlight und Das Ende Der Wahlfreiheit

  1. Deine Glaskugel möchte ich auch mal gerne haben. Was Du aus Nichts alles heraus saugst. Den Teufel an die Wand malen ist dazu die schlimmste Untertreibung. Aber wenn Du Flamewars magst, sähe einfach weiter Wind.

  2. Meine Glaskugel ist Eigentum der Küstenzauberer. Aus den bisherigen Previews, sowie deren Podcasts lässt sich ableiten, dass Fighter und Rogue (und wahrscheinlich auch weitere Martial Classes) keine Daily Powers besitzen. Der Rest ist angewandte Logik: Da Daily Powers eine seltenere Ressource sind, sollte sie besser mächtiger sein. Da Fighter keine Daily Powers besitzen, wie aus den Previews ja hervorgeht, haben sie keine so Wertvolle Ressource. Bisher sind keine abweichenden Arcane, Divine oder Martial Classes angekündigt. Und schon kommst du zu der Glaskugel, die ich verwende.

    Das heisst nicht, dass es so bleiben muss. Aber ich bin mit dem vorgezeichneten Weg nicht glücklich.

  3. Das mit den „fehlenden“ Dailies habe ich schon von anderer Stelle gehört und falls das stimmt, ist Deine Analyse ziemlich treffend. Ich kenne die Problematik halt von anderen Systemen, in denen es Anfangs ganz witzig ist, aber irgendwann kommt Unmut auf, wenn schon wieder nur der eine Charakter die Lorbeeren erntet, weil er im Endkampf mal wieder richtig auf die Kacke haut.

    Ist wie im richtigen Leben: Die faule Sau bekommt die Lohnerhöhung, weil sie in genau dem einen richtigen Augenblick den Chef beeindruckt hat.😉😀

  4. Ich find Deine Schlussfolgerungen ziemlich albern. Und auf ENWorld wurde lang und breit darüber diskutiert, dass der Fighter etwas bekommen soll, dass ähnlich der Power Points von Psionikern ist. Also ist Deine Glaskugel sicher nicht Eigentum der Küstenmagier sondern eher ziemlich nebelig.

    • Davon haben aber leider die Wizards weder in ihren Previews, noch in ihren Podcasts etwas gesagt. Sie haben erwähnt, dass sie die mathematischen Grundlagen genau überprüft haben und auf diesen Aufsetzen wollen. Sie haben aber auch erwähnt, dass sie von dem Starren Gerüst der Klassen wegwollen. Für mich kann das vieles bedeuten – nach den bisherigen Ankündigungen der Klassen, insbesondere des Fighters und des Rogues sieht das für mich so aus, dass zum Beispiel der Durchschnittsschaden der At-Will und Encounter-Powers angehoben wird, damit man den Verlust von Daily Powers (von denen die Wizards IIRC tatsächlich gesagt haben, dass es diese bei diesen Klassen nicht gibt) ausgleichen.
      Das ist dann auch rein rechnerisch richtig, lässt aber die Wahrnehmung der einzelnen Klassen im Spiel ausser Acht.

      Für anderweitige Quellen, zum Beispiel bei ENworld bin ich natürlich dankbar.

      Und ich rühre natürlich und absichtlich im Nebel. Ich arbeite mit dem Material, was uns gegeben wurde. Wenn das sehr leicht derartige Spekulationen zulässt und diese bisher nicht entkräftet wurden, was soll ich denn da bitte denken?

      Es dauert ja nicht mehr lange und wir sehen wer Recht behalten wird. Ich hoffe ja sehr, dass ich Unrecht habe.

    • “ Und auf ENWorld wurde lang und breit darüber diskutiert, dass der Fighter etwas bekommen soll, dass ähnlich der Power Points von Psionikern ist. “

      Was das Problem der fehlenden Dailies nicht auch nur im entferntesten behebt, da die Psionic Power Points der Ersatz für fehlende Encounter Power der psionischen Klassen sind.

      Hmm, alles sehr interessant, abwarten.

  5. Tja, das ist das Problem bei dem ganzen Designkram, dass die subjektive Wahrnehmung außer acht gelassen wird. Es gibt Spiele, die sind kein bisschen durchgerechnet und machen trotzdem Riesenspaß.🙂

    • wirklich? Mir ist kein solche Rollenspiel bekannt. Scheisse bleibt Scheisse.

      Ich vermute, daß die Wotzies mit dem entfernen der Dailies den ewigen Nörglern nachgeben wollten und die Klassen individuell wahrnehmbarer werden sollten, was wohlgemerkt, eine VERKOMPLIZIERUNG und keine Vereinfachung ist.

      Ich wünschte ja sie wären so konsequent und würden gleich sämtliche mundanen Powers entfernen oder ein Asdauerpunktesystem für Martial Sources einbauen.

  6. Wenn der DM das kann, haben die Regeln sowieso wenig Einfluss. Alles, was die Regeln aber leisten in Richtung Balancing erleichtert dem DM die Arbeit🙂

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