Into the Dark – MHR Scifi Fortsetzung


Wir spielen seit einiger Zeit ja ein Marvel Heroic Roleplaying Scifi Event, lose basierend auf der Night’s Dawn Trilogie von Peter F. Hamilton. Der erste Teil unseres Abenteuers fand als Ärger in Schusters County auch schon Beachtung hier.

Seitdem ist ein bischen was passiert und die Ereignisse möchte ich kurz zusammenfassen.

Was bisher geschah …

Nachdem auf auf der Kolonie Lalonde die Signatur eines Artefaktes einer alten Alien-Rasse gefunden wurde, wurden der Wissenschaftler Dr. Branwell Soome, der  Söldner Wilson Wade und die Kriegerin Tasmia Mallor ausgesandt, um dieses Artefakt zu bergen.

Auf Lalonde selber ist der Kontakt von der Hauptstadt zu den Dörfern abgerissen. Bei ihren Nachforschungen finden die drei heraus, dass satanische Rituale stattfinden, es Kämpfe und Tote gibt. Die meisten Menschen anscheinend leben aber, und erfahren durch eine Art Virus eine Presönlichkeitsveränderung , die sie zu agressiven, gefährlichen Kämpfern macht. Durch BRanwells telepathische Fähigkeiten wird schliesslich klar, dass der Virus in Wahrheit die Seelen von verstorbenen Seelen sind. Tasmia denkt, dass die Tore zur Hölle aufgestossen wurden.

Inzwischen ist die Nachricht, dass hier etwas nicht stimmt zur Föderation durchgedrungen.  Es tauchen Raumschiffe über dem Planeten auf, Shuttles setzen Söldner ab, es gibt weitere Kämpfe aber die Seelen aus der Hölle bringen erstaunliche Fähigkeiten mit. Die Streitmächte stehen kurz davor zu erkennen, dass die Situation auf Lalonde ausser Kontrolle ist und wollen den Planeten bombardieren.

Um das zu verhindern kapern unsere Helden ein Shuttle und fliegen selber zu einem der Raumschiffe. Dort teilen sie ihre Erkenntnisse und erklären sich bereit zu helfen, denn der Kontakt zu einigen der Raumschiffe ist abgerissen.

das tote Schiff

Heute sind wir nur zu zweit, Dr. Branwell fühlt sich nach den ganzen Abenteuern nicht so wohl und hält sich etwas im Hintergrund. Bleiben noch

  • Wade Wilson
    Ein (fast) verrückter Söldner, der sehr gut mit Waffen umgehen kann, und nebenbei noch den Vorteil hat, dass er sehr gut heilen kann. Egal was man ihm antut, er wird schon irgendwie durchkommen. Seine Fähigkeit zu teleportieren ist sicher hilfreich, seine eigene Sichtweise der Realität vielleicht nicht so sehr. Der militärische Hintergrund ist auf jeden Fall ein grosses Plus, da wir uns ja auf Militärschiffen bewegen.
  • Tasmia Mallor
    Auserwählte des „Schattenplaneten“ Talok. Eine Kriegerin, die mit moderner Technologie nicht viel am Hut hat. Ihre Welt und Weltsicht ist von Legenden und Mystik bestimmt. Neben einem ausgefeilten Training als Kriegerin, herrscht sie über die Dunkelheit und kann diese sogar stofflich werden lassen. Obwohl sie mit Technik nicht viel anfangen kann, und ihre mystische Sichtweise der Dinge ein wenig deplaziert wirkt, kann sie (die Sichtweise) schon eine große Hilfe sein.

Zu einem Konföderationsschiff ist jeglicher Kontakt abgerissen, die Antriebe sine ausgefallen und Messungen zeigen, dass es an Bord immer kälter wird. Wade und Tasmia besorgen sich Pläne, Waffen, Ausrüstung und bekommen ein Wartungsshuttle zur Verfügung gestellt, um sich auf dem scheinbar toten Schiff umzusehen.

Ein Einstieg nahe der Notkapseln kann manuell betätigt werden. Glücklicherweise herrscht hier draussen keine Gefahr, weil wir eine Zeit lang im Weltwall herumschweben. Eine Actionsequenz hier draussen wäre sicher ziemlich spannend gewesen (aber tendenziell auch recht gefährlich und kann auch leicht die Dimension eines Spielabends sprengen).

Im Schiffsinneren leuchtet nur die Notbeleuchtung, es ist kalt. Die künstliche Schwerkraft ist ausgefallen. Unser erstes Ziel ist, die Energieversorgung wieder ans Laufen zu bringen. Mit Hilfe der Pläne ist die Tür zum Maschinenraum auch schnell gefunden und wir bemerken gerade noch, wie kalt sie ist, da nähern sich von hinten Schritte. Wir können uns nirgendwo verstecken!

Der Doom Pool ist relativ hoch, trotzdem versuche Tasmia über die Dunkelheit zu gebieten um uns zu verbergen. Der Versuch schlägt fehl: Es wird zwar dunkler, aber nicht so, dass uns das helfen würde. Schon werden wir entdeckt. Unsere Gegner sind Menschen, die in ihrem Armen seltsam ineinander verdrehte Stäbe halten. Trotz der Kälte tragen sie kaum etwas und sie dampfen sogar vor Hitze. Und sie laufen auf dem Boden, als ob die Schwerkraft hier ganz normal existieren würde. „Neue Opfer für den Meister,“ rufen sie und greifen uns an.

Die Stäbe erscheinen uns als wichtiges Element, also greifen wir diese erst Mal gesondert an. Bei MHR kann man ja im Prinzip jede Eigenschaft eines Gegners getrennt angreifen, was diese dann reduziert oder ausschaltet. Das ist auch nicht unbedingt schwieriger, als einen Angriff auf die Person selbst zu starten – dafür ist die Auswirkung wesentlich geringer. (Damit löst man ganz geschickt die Notwendigkeit von Tabellen für Trefferzonen. Sollte man als DM signalisieren wollen, dass das Treffen dennoch schwieriger ist … naja, wozu hat man denn den Doom Pool?) Die Versuche schlagen erst Mal fehl. Tasmia blendet einen der Gegner mit ihrer Dunkelheit, dann wird sie von einem Stab getroffen und mit einem Mal komplett eingefroren.

Eine Complication. Ich hatte schon die Wahl dagegen noch etwas zu tun, und mit einer d12 Complication weiter zu kämpfen, indem ich Plot Points verbrenne, das wars mir aber nicht Wert. Bei MHR sehe ich auch einen verlorenen Kampf, Trauma oder Complications, die einen SC ausschalten viel mehr als Chance, als als Problem. Man wird gefangengenommen, findet sich in einer schwierigen Lage wieder, die Story nimmt dramatische Wandlungen. Es ist aber selten so, dass dadurch die Geschichte, die an dem Charakter den man gerade spielt hängt, ein Ende nimmt. Bei D&D wäre das aller wahrscheinlichkeit nach anders. Aber dazu später mehr.

Wade kann mit Hilfe des geblendeten Gegners aber die Gefahr ausschalten. Diesmal kommen wir also mit einem blauen Auge davon. Wir haben etwas Zeit uns zu erholen, und eine Complication hinterlässt (normalerweise) keinen bleibenden Schaden. Tasmia ist einfach nur kalt.

Der Maschinenraum

Der Besuch des Maschinenraums hilft da nicht viel, denn hier ist es noch kälter. Auf dem Generator, der eigentlich das Schiff versorgen sollte, sitzt ein Wesen aus Dunkelheit, eine Art übergroßer, schwarzer Tintenfisch, dessen Tentakel sich überall um die Maschine klammern.

Für mich ist die Sache klar: Tasmia sieht dieses Wesen als Teil ihrer Dunkelheit an und versucht es zu sich zu locken.

Weder das Wesen, noch die Dunkelheit, die Tasmia kontrolliert, sind bis ins letzte Detail ausdefiniert. Die Narrative erscheint mir diese Möglichkeit zu eröffnen und unser Spielleiter ist nach kurzem Zögern der Situation auch nicht abgeneigt. In D&D besagt ein Zauber, ein Skill oder ein Feat recht genau, was genau die Wirkung eines Elements auf dem Charakterblatt ist – zum Beispiel lässt eine Finte den Gegner den Geschicklichkeitsbonus auf die Verteidigung verlieren – sie lässt ihn aber nicht ins leere stolpern! Das wäre ein ganz andere Regelelement. Tasmias Power Darkforce Control besagt nur, dass sie die Dunkelheit kontrollieren kann, aber was das genau ist, ob man damit auch ein Wesen, dass Teil der Dunkelheit ist, zu sich rufen kann, das steht da nicht. Wenn es von der Erzählung her Sinn macht, versuche ich es.

Tasmia zeichnet einen Ritualkreis, bereitet sich mit Hilfe ihres mystischen Wissens vor, lässt sich Zeit. Währenddessen untersucht Wade den Raum und findet Hinweise auf gewaltsamen Zugang zu Wartungssschächten des Schiffs.

Mit Hilfe der Vorbereitung (eine mystische Ressource, Zeit, und die Tatsache, dass die Aktion anstrengend ist und ich somit auf Tasmias Durchhaltevermögen bauen kann, zusätzlich zur Dunkelheit) bekommt Tasmia Kontakt zu dem Wesen und erfährt: Es sind noch mehr davon hier, sie wollen essen  – und der Reaktor eines Raumschiffs ist scheinbar recht lecker. Und sie dürfen keine Menschen essen, solange nicht alle von diesen Wesen hier sind. Also gibt es ein Portal wo dieses Ding herkam. So befreundet frisst uns das Wesen nicht auf und wir können es beruhigen um uns auf die Suche nach dem Portal zu machen. Unsere Annahme ist ja: Da dieses Schiff nicht nur von der Kommunikation abgeschnitten ist, sondern auch sonst nichts funktioniert – das ist bei den anderen Raumschiffen, die nicht Antworten nicht der Fall – wird das Portal wohl hier sind. Und am schnellsten finden wir das, indem wir dem zentralen Wartungsschacht folgen: Wo diese Wesen herkommen ist es anscheinend kalt und je kälter es wird, desto näher sind wir dem Portal.

Die Brücke

Auf der Brücke ist es am kältesten! Natürlich. Durch den Wartungsschacht kommen wir unbemerkt an: Vier Personen meditieren vor einer Art satanischem Kreuz, an dem verschiedene Mitglieder der Crew aufgeknüpft wurden. Sie sind alle tot. Hinter ihnen ist ein Riss in der Realität in eine dunkle Dimension (in Ermangelung eines besseren Begriffs), wo in der Tat noch mehr von diesen Wesen sind.

Wir greifen die meditierenden an um das Portal zu schliessen, was zwar von Erfolg gekrönt ist, aber nicht bevor eines dieser Wesen noch durch das Portal auf unsere Seite kommt.

Es verschlingt Wade mit einem mächtigen Angriff und Tasmia macht, was sie schon mit dem Wesen unten machen wollte: Sie versucht seine Dunkelheit in sich selbst aufzunehmen, in der Annahme, dass dies ihre Aufgabe sei und der beste Weg, Wade zu befreien und retten. Es entsteht ein Zähes Kräfteringen, das Tasmia am Ende nur knapp für sich entscheiden kann: Sie absorbiert in der Tat dieses Wesen.

Wade sieht währenddessen, dass das ganze Schiff voller Menschen ist – die Seelen der Toten, die nur darauf warten einen weiteren Körper zu übernehmen. Und als Tasmia das Wesen in sich aufnimmt, sieht er auch, wie ihre Form von menschlich immer wieder in diese komische Tentakelgestalt wechselt, als würde selbst nach der Aufnahme dieses Wesens, sie noch um die Kontrolle ihres selbst kämpfen müssen.

Der Kampf war in der Tat ziemlich dramatisch, auch wenn er in drei oder 4 Runden vorbei war. Wade wurde, nachdem er bei dem Ritual gute Arbeit geleistet hat, sehr schnell ausgeschaltet. Tasmia hat dann alles daran gelegt, das Wesen zu dominieren. Das hatte gerade gefressen und war dadurch sogar noch etwas stärker als bisher. Ich musste jede Runde zwei Plot Punkte ausgeben um mitzuhalten, aber auch der Doom Pool ist massiv geschrumpft. Beide Seiten haben also alles gegeben um dieses Kräftemessen zu gewinnen. Und Gewinn oder Verlust: Die Geschichte wäre so oder so weiter gegangen. Am Ende hatte Tasmia noch einen Plot Point übrig und den Gegner gerade so in sich aufgenommen. Ich habe sofort ihre Darkforce Control in eine Complication umgewandelt und lasse das jetzt auch erst mal bestehen, solange bis sich eine Gelegenheit bietet, in der das Besiegen der Complication einen interessanten Bestandteil der Erzählung darstellt.

Fazit

Superspannend! Ich denke nicht, dass ich mit meinem Charakter in irgendeinem anderen System solche Risiken eingehen würde. Einmal war Tasmia schon besiegt, mit Hilfe einer Complication, eingefroren. Und ich hab nur gedacht: Wenns Wade jetzt auch erwischt, werden wir vielleicht gefangengenommen oder zu besessenen. Wir sehen, wenn wir Stressed Out sind um uns immmer die ganzen Seelen der Toten, vielleicht müssen wir als Seele ein Abenteuer bestreiten um unsere Körper zurückzugewinnen. In keinem Moment kam mir der Gedanke an ein Ende der Geschichte.

Genau so bei der eigentlich extrem dummen Aktion ein Schattenwesen aus einer anderen Dimension in mich aufzusaugen. Wenns fehlschlägt verschlägt es uns vielleicht in die andere Dimension und wir finden heraus, was hinter dem allen steckt. Oder wir müssen einfach nur um unser Leben rennen. Es hat geklappt, auf den letzten Drücker (also in bester Actionfilm-Art!) und jetzt ist irgendwas Teil von Tasmia, das eigentlich von woanders stammt! Das fühlt sich nicht wie ein Fluch an, der in erster Linie behindert (so wäre es wahrscheinlich bei D&D), sondern eine Chance: Vielleicht baue ich ein Powerset des Charakters jetzt um, so dass es den Doom Pool schneller steigen lässt, oder den eigenen Stress, und dafür dann Plot Points durch die Gegend fliegen! Selbst eine Strafe ist bei MHR eine Chance, eben dadurch dass Plot Points einen super Ausgleich dafür schaffen.

Überhaupt, erst die Möglichkeit so etwas durchzuführen! Ich hab die Beschreibung dieser komischen Tentakelwesen und dass sie so schrecklich dunkel sind gehört, hab kurz auf die Milestones von meinem Charakter geschaut und mir gedacht: Eigentlich egal, wie das ausgeht, das muss ich versuchen! Es gibt eben keine präzise Regel die besagt, dass etwas geht oder nicht geht. Wenn dann der Spielleiter so mitgeht (er hätte ja auch einfach sagen können: Nö, die sehen nur so dunkel aus, aber deine Kontrolle über die Dunkelheit erstreckt sich nicht auf diese Wesen. Ende der Geschichte.) entsteht eben eine klasse Dynamik.

Und selbst der Spieler von Wade Wilson, der eigentlich so ganz zur Stillen Fraktion gehört und (für meine Wahrnehmung) garnicht so tief in Charaktere einsteigt, generell eher zur stillen Sorte gehört, hat teilweise Aspekte seines Charakters angefangen auszuspielen. Natürlich nicht in großem Detail, aber was solls? Ich finds großartig, wenn die Dynamik alle etwas mitreisst.

Ich bin auf jeden Fall total gespannt wie es weitergeht! Jetzt macht unser DM erst Mal eine Pause und den nächsten Monat über werde ich selber wieder leiten😀

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