Marvel Heroic Roleplay: 1. Das Charakterdatenblatt


Hier geht es zur Übersicht der Punkte, die mir am MHR-System besonders aufgefallen sind.

Als erstes will ich auf das Charakterdatenblatt eingehen, auf die Art und Weise, wie ein Charakter beschrieben wird und was einen Charakter bei Marvel Heroic Roleplay von Charakteren in anderen Systemen unterscheidet.

Zur besseren Veranschaulichung habe ich hier ein Charakterdatenblatt als Beispiel liegen.

Wie bei den meisten Systemen, unterteilt sich auch ein Marvel Heroic Charakterblatt in verschiedene Bereiche. Bei „herkömmlichen Systemen“ sind das zumeist die Bereiche Attribute, Skills, Ausrüstung und je nachdem noch Zauber und Vor- und Nachteile. Im Prinzip wird hier erfasst: Was kann mein Charakter. Aber nicht: Wer ist das eigentlich. Oftmals ist es sogar so: Je komplexer ein System wird, desto mehr wird auf „was kann er“ wertgelegt und desto weniger spielt „wer ist das“ eine Rolle. Selbst Vor- und Nachteile werden typischerweise nicht so verwendet, dass sie genommen werden, um im Spiel diese Punkte anzubringen, sondern Nachteile werden typischerweise genommen  um die Kompetenzen eines Charakters in bestimmten Bereichen zu erhöhen und Vorteile … tun genau das. Selbst wenn sie Mal einen Einblick in die Persönlichkeit eines Charakters geben, ist das nicht ihr Punkt.

Was macht also MHR anders?

Bei Marvel Heroic Roleplay sind die Bereiche etwas anders unterteilt. Auffällig ist Beispielsweise, dass es keine Ausrüstung gibt (diese ist entweder unwichtig, nur temporär relevant – dann taucht sie nicht auf dem Charakterblatt auf, oder aber sie wird Beispielsweise als Power Set erfasst und wird damit zu einem integralen Bestandteil des Charakters und nicht zu einem beliebig austauschbaren Element). Weiterhin fallen Besonders die Bereiche „Distinctions“ und „Milestones“ auf – das sind Dinge, die es in fast allen anderen Systemen, die ich kenne so nicht gibt. Distinctions sind immerhin noch Vergleichbar mit den Aspekten, die man vielleicht von FATE kennt.

Was bedeutet das jetzt? Ich habe für mich festgestellt, dass ein MHR-Charakterblatt eine deutlich komplettere Beschreibung eines RPG-Charakters liefert, als ein D&D Charakterdatenblatt, oder auch ein DSA- oder Midgard-Charakterdatenblatt. Meiner Meinung nach versucht MHR in seiner herangehensweise einen Charakter komplett zu erfassen, während die meisten anderen Systeme dies nur im Hinsicht auf die Fähigkeiten eines Charakters tun.

Affiliations erfasst, wie gut ein Charakter alleine, zusammen mit genau einer anderen Person oder eben in einem kompletten Team arbeitet. Das allein beschreibt schon einen signifikanten Teil der Persönlichkeit.

Distinctions sind kurze Schlüsselwörter oder -Sätze, die bestimmte Teile der Persönlichkeit eines Charakters erfassen. Damit wird natürlich keineswegs die Gesamtheit der Persönlichkeit eines Charakters erfasst, aber es werden ikonische Stichpunkte geliefert. Distinctions können positiv, wie auch negativ sein – wobei für das Einbringen einer Distinction im negativen Sinne Anreize geschaffen werden.

Dann kommen die Power Sets – hier sind die für einen Superhelden wichtigen natürlichen oder übernatürlichen Fähigkeiten erfasst, die ihn zu einem Superheld machen. Das tolle dabei ist, dass das nicht nur eine antrainierte oder angeborene Fähigkeit sein kann, sondern genau so gut Ausrüstung oder ein ständiger Begleiter. Kitty Pryde hat Beispielsweise einen kleinen Drachen „Lockheed“ dabei, der Feuerspeien kann. Iron Man findet hier seine Rüstung.
Was mich so daran fasziniert ist, dass auf diese Art und Weise dieser Begleiter oder die Ausrüstung direkt zu einem integralen Teil des Charakters werden.
SFX und Limits erweitern die recht Grobe Beschreibung eines Powersets oder schränken sie ein – wobei die Anwendung eines Limits typischerweise mit Anreizen versehen ist, das auch zu tun. Es obliegt dem Spieler, die SFX oder Limits zu verwenden. Wenn es natürlich passend ist, kann auch der DM die Limits eines Charakters zünden .

Specialties wären in „herkömmlichen Systemen“ die Skills. eines Charakters. Auch hier geht aber die Definition weiter, als das normalerweise der Fall ist. Skills bedeuten nicht nur Fähigkeiten, die ein Charakter hat, sondern sie ermöglichen auch den (temporären) Zugriff auf Kontakte, Ausrüstung oder Wissen – sogenannte Resourcen.

Als letztes kommen noch die Milestones – das sind die Ziele eines Charakters. Nicht ALLE Ziele, aber die, die man gerade in den Mittelpunkt stellen will – darum ist das auch die Art und Weise, wie man bei MHR XP bekommt.

Das Ergebnis dieses Charakterdatenblattes ist, dass man jederzeit schnell einen Überblick darüber hat, wer sein Charakter ist und die Beschreibung weit über die reinen Fähigkeiten des Charakters hinausgeht. Besonders faszinierend finde ich persönlich, wie einfach über die Distinctions und Milestones die Persönlichkeit eingefangen wird. Dabei sind insbesondere die Distinctions aber durchaus immer noch so frei, dass sie den Spielern genug Freiraum geben, den Charakter (so er nicht eh ein selbst gebauter Charakter ist) zu ihrem eigenen Charakter zu machen. Im Spielverlauf ist es ohne weiteres möglich Distinctions auszutauschen, wenn man also meint einen anderen Aspekt eines Charakters in den Vordergrund rücken zu wollen, kann man das ohne viel Aufheben machen. Die Milestones – also die Zieles des Charakters, werden beim erreichen eines Ziels ebenfalls ausgetauscht.

Warum machen das nicht mehr Systeme so? Würde euch diese Herangehensweise stören? Ich für meinen Teil finde es toll, dass ich auf das Blatt schaue und gleich weiß, was ich kann, was der Charakter will und wie er das zu erreichen versucht.

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Eine Antwort zu “Marvel Heroic Roleplay: 1. Das Charakterdatenblatt

  1. Pingback: Marve Heroic Roleplay – Improvisation und Rulings | TPK – Total Party Kill

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